{"id":34,"date":"2014-12-29T09:48:24","date_gmt":"2014-12-29T09:48:24","guid":{"rendered":"http:\/\/identityabloodyromance.com\/?page_id=34"},"modified":"2014-12-29T11:34:26","modified_gmt":"2014-12-29T11:34:26","slug":"mosambikanische-ostalgie-und-deutsch-historisches-erbe","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/identityabloodyromance.com\/?page_id=34","title":{"rendered":"MOSAMBIKANISCHE OSTALGIE &#038; DEUTSCH HISTORISCHES ERBE"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Geschichte der Madgermanes geh\u00f6rt zu den verkannten Teilen des historischen Erbes Deutschlands. \u00c4hnlich wie die Kolonialgeschichte Deutschlands in Afrika finden auch die DDR-Beziehungen zu afrikanischen L\u00e4ndern in den 1970er und 1980er Jahren wenig Beachtung in der heutigen deutschen Gesellschaft. Dennoch haben sie auf individuellen Lebensentw\u00fcrfen Spuren hinterlassen, denen das Theater- und Ausstellungsprojekt <em>IDENTITY: A Bloody Romance<\/em> nachgeht. In seinen Fotografien und Kurzvideos portr\u00e4tiert der Theaterregisseur Jens Vilela Neumann AkteurInnen der deutsch-mosambikanischen Geschichte und verleiht ihnen einen Raum f\u00fcr ihre so diversen Stimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sind die Geschichten von Elisa Boana, die heute als Hausm\u00e4dchen f\u00fcr eine deutsch-mosambikanische Familie arbeitet, oder von Beatriz, deren Kollege bei einer Demonstration durch einen Schuss der Polizei 2003 ermordet wurde und die f\u00fcr die R\u00fcckgabe des Leichnams hart k\u00e4mpfen musste. Petra Wanga erz\u00e4hlt, wie sie nach ihrer R\u00fcckkehr an die Front geschickt wurde, als der B\u00fcrgerkrieg in Mosambik immer mehr Soldaten einforderte. Oder das Schicksal einer deutschen Familie, die in den 1980ern durch den B\u00fcrgerkrieg auswandern musste. Es sind auch V\u00e4ter von afrodeutschen Kindern, die sehns\u00fcchtigst ihre Kinder sehen m\u00f6chten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was alle ProtagonistInnen teilen, ist \u00fcber die Grenzen hinaus von einer gesellschaftlichen Repr\u00e4sentation ausgeschlossen worden zu sein und zugleich die Suche nach Anerkennung und Zugeh\u00f6rigkeit, nach Liebe. Sie fielen den politischen und wirtschaftlichen Interessen eines sich globalisierenden kapitalistischen Systems zum Opfer. Als Individuen m\u00fcssen sie sich im komplexen internationalen politischen und \u00f6konomischen Gef\u00fcge von Herrschaftsverh\u00e4ltnissen zurechtfinden. Manche demonstrieren, manche verschweigen ihre Vergangenheit in der DDR. In der mosambikanischen Gesellschaft gelten die Madgermanes aufgrund ihrer w\u00f6chentlichen Demonstrationen weitestgehend als st\u00f6rende Au\u00dfenseiter. Auch wenn sie sich in Mosambik, besonders in Maputo, vereinigt haben und paradoxerweise als politische Subjekte die einzig sichtbare au\u00dferparlamentarische Opposition des Landes bilden. Andere suchen nach ihren Angeh\u00f6rigen, und \u00fcberall die Sehnsucht nach ihrer Zeit in der DDR, die Sehnsucht nach Anerkennung und Zugeh\u00f6rigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>IDENTITY<\/em> bewegt sich zwischen pers\u00f6nlichen Lebensentw\u00fcrfen und kollektivem Ged\u00e4chtnis im Kontext einer westzentrischen Geschichtsschreibung. Das Projekt fragt deshalb nach der Rolle von kultureller Aufarbeitung und interkulturellem Austausch in unserer zeitgen\u00f6ssischen Gesellschaft. Mit Angola, \u00c4thiopien und Madagaskar baute die DDR ebenfalls Beziehungen auf. Durch Stipendien wurden junge Leute in die DDR geschickt, wo manche nach dem Fall der Mauer geblieben sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Lekt\u00fcre von Ausschnitten des St\u00fcckes pr\u00e4gte sich ein Satz besonders ein: \u201eDie Narben der Konsequenzen \u2013 das nennt man Identit\u00e4t!\u201c. Zu den Konsequenzen der deutsch-mosambikanischen Geschichte geh\u00f6ren das Leben der Madgermanes sowie ihrer in Deutschland gebliebenen Erben, die im allt\u00e4glichen Leben mit Rassismus konfrontiert sind. Dies ist Teil unserer Gegenwart und zugleich Erbe der Geschichte, was ins Vergessen gar ins Verleugnen ger\u00e4t. Der besondere Wert kultureller Aufarbeitungsprojekte wie <em>IDENTITY<\/em> besteht darin, Wissen \u2013 emotionales und historisches \u2013 zu transferieren und dessen soziokulturellen Prozesse in ihrer zeitgen\u00f6ssischen Bedeutung sichtbar zu machen.<\/p>\n<p>von Sophie Eliot<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/identityabloodyromance.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Premiere-ende-small.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-139\" src=\"http:\/\/identityabloodyromance.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Premiere-ende-small.jpg\" alt=\"Premiere ende small\" width=\"900\" height=\"506\" srcset=\"https:\/\/identityabloodyromance.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Premiere-ende-small.jpg 900w, https:\/\/identityabloodyromance.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Premiere-ende-small-300x169.jpg 300w, https:\/\/identityabloodyromance.com\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Premiere-ende-small-220x124.jpg 220w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hans-Joachim D\u00f6ring (1999): \u201eEs geht um unsere Existenz\u201c. Die Politik der DDR gegen\u00fcber der Dritten Welt am Beispiel von Mosambik und \u00c4thiopien. Links, Berlin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hito Steyerl (2008): \u201eDie Gegenwart der Subalternen\u201c (S.\u00a07-16). In: Gayatri Chakravorty Spivak: Can the Subaltern Speak? Postkolonialit\u00e4t und subalterne Artikulation. F\u00fcr die deutsche Ausgabe: Verlag Turin + Kant, Wien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte der Madgermanes geh\u00f6rt zu den verkannten Teilen des historischen Erbes Deutschlands. \u00c4hnlich wie die Kolonialgeschichte Deutschlands in Afrika finden auch die DDR-Beziehungen zu afrikanischen L\u00e4ndern in den 1970er und 1980er Jahren wenig Beachtung in der heutigen deutschen Gesellschaft. 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